Innovative Finanzierungsquellen / Internationale Klimafinanzierung
Deutschlands Beitrag zur TFFF: Ein wichtiger Impuls – jetzt kommt es auf Transparenz, strenge Standards und die zweite Investitionsrunde an

Regenwald in Brasilien, Photo: shutterstock.com
Mit dem offiziellen Start der Tropical Forests Forever Facility (TFFF) auf der COP30 ist eine von Brasilien angestoßene globale Finanzierungsinitiative Realität geworden, die das Potenzial hat, den Tropenwaldschutz weltweit grundlegend zu stärken. 64 Länder haben im brasilianischen Belém bereits die Unterstützungserklärung unterschrieben. Darunter Tropenwaldländer – die insgesamt 90% der globalen Tropenwälder beherbergen – und potentielle Beitragsländer. Auch Deutschland hat sich im Laufe der Konferenz klar zur TFFF positioniert und eine Beteiligung in Höhe von 1 Milliarde Euro über zehn Jahre angekündigt. Zu Beginn der Konferenz hatte Bundeskanzler Merz bereits einen “namhaften” Beitrag in Aussicht gestellt.
Diese Zusage ist politisch wie inhaltlich bedeutsam – und markiert einen unerwarteten Wendepunkt in der deutschen Positionierung zur TFFF. Gleichzeitig wirft die Ankündigung mit ihren Besonderheiten auch weitere Fragen auf, die für die Wirksamkeit der TFFF und die Rolle Deutschlands entscheidend sind.
Das Grundprinzip der TFFF
Kern der TFFF ist ein neuer globaler Fonds, der mit rund 25 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Mitteln ausgestattet werden soll. Dieses Grundkapital soll zudem etwa 100 Milliarden US-Dollar privates Kapital mobilisieren. Zusammen wird dieses Kapital langfristig angelegt, um dauerhaft Erträge zu erwirtschaften, aus denen jährlich bis zu vier Milliarden US-Dollar an Tropenwaldländer gezahlt werden können – als Kompensation für den Erhalt ihrer Wälder.
Ein starkes Signal – und eine überraschende Form der Beteiligung
Umweltminister Schneider betonte, dass die Bundesregierung die TFFF nicht als Renditeobjekt, sondern als Instrument des Waldschutzes betrachtet. Diese Schwerpunktsetzung ist ausdrücklich zu begrüßen. Überraschend war die angekündigte Form der Beteiligung: In den vergangenen Monaten war allgemein erwartet worden, dass Deutschland investive Mittel über die KfW – also Kredite oder Garantien – bereitstellen würde. Stattdessen kündigte Minister Schneider an, dass die 1 Milliarde Euro nicht rückzahlbar sein wird und mit keiner Renditeerwartung verbunden ist.
Nach den Äußerungen von Bundeskanzler Merz im Nachgang seiner Brasilienreise war es zu deutlichen Verstimmungen auf Seiten der brasilianischen COP Präsidentschaft gekommen. Möglicherweise haben diese dazu geführt, dass die Bundesregierung mit einer Ankündigung der Investitionshöhe in die TFFF die Wogen glätten wollte. Angesichts offener Fragen im Finanzministerium zum TFFF-Finanzierungsmodell wäre die ursprünglich anvisierte Investition über Kredite oder Garantien kurzfristig kaum möglich gewesen. Die Entscheidung, stattdessen auf Haushaltsmittel des BMZ und des BMUKN zurückzugreifen, könnte die für viele Beobachter*innen überraschende Zusage im Rahmen der COP in Belém ermöglicht haben.
Eine Milliarde Euro aus Haushaltsmitteln klingt zunächst nach einem großen Schritt – tatsächlich werden diese über 10 Jahre gestreckt und bedeuten somit die Zusage von 100 Millionen Euro pro Jahr.
Eigenkapital, Zuschuss, Kredit oder Garantie für die TFFF – Finanzierungsinstrumente mit unterschiedlichen Implikationen
Die finanziellen Zusagen verschiedener Länder für die TFFF miteinander zu vergleichen, ist nicht einfach. Denn Staaten können sich mit sehr unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten beteiligen – und diese haben jeweils eigene Wirkungen und Voraussetzungen. Drei Beispiele:
- Eine Ländergruppe, darunter auch Deutschland, hat rund 30 Millionen US-Dollar als Startfinanzierung für die Verwaltungskosten des TFFF-Sekretariats mobilisiert. Diese Mittel werden als Zuschüsse bereitgestellt: Wichtiges Geld, das weder zurückgezahlt wird noch am Kapitalmarkt investiert werden kann und daher nicht auf die Zielmarke von 25 Milliarden US-Dollar Grundkapital angerechnet wird.
- Norwegen hingegen hat seine Zusage von 3 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre in Form von Krediten Diese werden durch den Tropical Forest Investment Fund (TFIF), den Investitionsarm der TFFF, am Kapitalmarkt angelegt. Die Gelder fließen später wieder zurück und können, abhängig von der Zinsgestaltung, eine Rendite für das Geberland erzielen.
- Deutschlands angekündigte „Bareinlage“ von 1 Milliarde Euro ist laut Umweltministerium als Eigenkapital („paid-in capital“) für den Tropical Forest Investment Fund (TFIF) ausgestaltet. Dies ist etwa vergleichbar mit deutschen Einzahlungen in multilaterale Entwicklungsbanken. Wie bei einem Zuschuss muss dieses Geld nicht zurückgezahlt werden und erzielt keine Rendite. Es wird jedoch – anders als Zuschüsse und ähnlich wie Kreditmittel – am Kapitalmarkt angelegt. Eigenkapital stärkt die Funktionsweise des TFFF-Modells und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Mittel tatsächlich bei den Tropenwaldländern ankommen. Da Deutschland keine Rückzahlung erwartet, können sämtliche Erträge aus dieser Einlage vollständig an die Tropenwaldländer fließen. Gleichzeitig wirkt das deutsche Eigenkapital wie ein stabiler Puffer für den Fonds: Es stärkt die finanzielle Basis des TFIF, federt mögliche Marktschwankungen ab und kann das Kreditrating verbessern. Dadurch stehen langfristig mehr Mittel für den Waldschutz zur Verfügung.
Hohe Umwelt- und Sozialstandards und Transparenz für Investitionen essentiell
Da Deutschland mit eingezahltem Eigenkapital aktiv das Anlageportfolio des TFIF mitfinanziert, sollten die Mittel klar an Bedingungen geknüpft sein: hohe Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards sowie ein transparentes und robustes Finanzierungsmodell.
Beitrag stärkt die Funktionsweise der TFFF – aber reicht es für die 25 Milliarden USD Sponsor-Kapital?
Der deutsche Beitrag ist daher ein wichtiger Baustein. Gleichzeitig bleibt klar: Mit jährlich 100 Millionen Euro wird das Ziel von 25 Milliarden US-Dollar an Sponsor-Kapital nicht schnell oder eventuell gar nicht erreicht werden. Genau hier bleibt die größte strukturelle Herausforderung der TFFF bestehen. Zum Ende der Weltklimakonferenz kamen insgesamt nur rund 6,7 Milliarden USD über die nächsten 10 Jahre zusammen.
Deshalb wird entscheidend sein, dass Deutschland – sobald die offenen Fragen zum Finanzierungsmodell geklärt und strenge Umwelt- und Sozialstandards gesichert sind – mit einer weiteren, größeren, sofortigen Investition in Form von etwa zinsvergünstigten Krediten nachzieht. Eine solche investive Beteiligung wäre ein komplementärer Beitrag zu dem in Belem angekündigten Beitrag und würde das Potenzial der TFFF weiter stärken.
Transparenz, Risiken und Standards: Deutschlands Rolle in der weiteren Ausgestaltung
Durch die Zusage hat Deutschland sich de facto vorerst einen Sitz im Entscheidungsgremium der TFFF gesichert. Dies bietet die wichtige Möglichkeit, das Modell aktiv mitzugestalten und dafür zu sorgen, dass:
- Transparenz über das Finanzierungsmodell hergestellt wird,
- Risiken fair verteilt werden,
- Ökologische Standards für das Monitoring des Walderhalts nachgebessert werden,
- keine Schlupflöcher entstehen, die Investitionen zulassen, die Klima, Biodiversität oder Menschenrechten schaden könnten.
Eine klare und verbindliche Ausgestaltung dieser Punkte ist auch entscheidend, um die bestehenden Bedenken im Bundesfinanzministerium auszuräumen.
Gefahr der Verdrängung anderer Klimamittel bleibt bestehen
Doch woher sollen die 100 Millionen Euro pro Jahr kommen? Minister Schneider wies auf Nachfrage darauf hin, dass nicht verplante zukünftige Mittel keine anderen geplanten Projekte verdrängen können. In der Praxis bleibt jedoch eine reale Sorge: Solange der Haushalt für internationale Klimafinanzierung nicht erhöht sondern ggfs. sogar reduziert wird, treten neue Zusagen – auch für den Waldschutz – schnell in Konkurrenz zu anderen wichtigen multilateralen Fonds, wie etwa dem Anpassungsfonds, oder Entwicklungs- und Klimaprojekten. Daher gilt: Die Mittel für die TFFF müssen zusätzlich bereitgestellt werden und dürfen keine bestehenden Klima-, Entwicklungs- oder Biodiversitätsmittel verdrängen.
Ein bemerkenswerter Nebeneffekt: Doch, Mehrjahreszusagen sind möglich!
Erwähnenswert ist auch, dass die Bundesregierung eine Mehrjahreszusage über zehn Jahre abgegeben hat. Bisher wurde bei Forderungen nach mehrjährigen Beiträgen für den UN-Anpassungsfonds stets argumentiert, dies sei haushaltstechnisch nicht möglich. Die TFFF-Zusage zeigt nun: Es geht doch. Das schafft eine wichtige Grundlage für zukünftige Debatten über mehrjährige Beiträge zu anderen internationalen Fonds.
Fazit: Ein bedeutender Schritt – doch Deutschland wird nachlegen müssen
Die deutsche Zusage ist ein wichtiger politischer Impuls und stärkt die Grundlagen der TFFF. Entscheidend ist nun, dass:
- das Finanzierungsmodell transparent und robust ausgestaltet wird,
- strenge Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards für alle investiven Aktivitäten gelten,
- und die Mittel zusätzlich bereitgestellt werden.
Wenn diese offenen Fragen geklärt sind, sollte Deutschland bereit sein, mit einer weiteren “namhaften” Investition in Form von zinsvergünstigten Krediten nachzulegen. So könnte die TFFF das leisten, was sie verspricht: Tropenwaldländern dauerhaft verlässliche Mittel für den Erhalt ihrer Wälder zur Verfügung stellen – und so einen wirksamen Beitrag zum globalen Klima-, Biodiversitäts- und Menschenrechtsschutz leisten.
Julia Grimm & Ute Sudmann, Germanwatch




