Deutsche Klimafinanzierung / NCQG

Deutschlands Klimafinanzierung: Warum sie jetzt Priorität haben sollte

Photo: C. Krackhardt, Brot für die Welt

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Die Welt steht unter wachsendem Druck multipler Krisen: Klimawandel, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Verwerfungen und zunehmende soziale Ungleichheiten verstärken sich gegenseitig. In dieser Lage entscheidet sich, ob internationale Kooperation stabil bleibt oder globale Risiken weiter zunehmen.

Für Deutschland folgt daraus eine klare Konsequenz: Es braucht ein neues, verbindliches und ambitioniertes Finanzierungsziel für die internationale Klimafinanzierung, das über bestehende Zusagen hinausgeht und langfristige Planungssicherheit schafft. Dieses Ziel ist eine Frage internationaler Verantwortung – und ebenso im unmittelbaren Interesse Deutschlands.

Bestehende Zusagen reichen nicht mehr aus

Deutschland hat in der Vergangenheit eine wichtige Rolle in der internationalen Klimapolitik gespielt, unter anderem mit der Zusage, die öffentliche internationale Klimafinanzierung bis spätestens 2025 auf mindestens sechs Milliarden Euro jährlich zu steigern.

Die internationalen Rahmenbedingungen haben sich jedoch seither deutlich verändert. Auf der COP29 wurde beschlossen, die globale Klimafinanzierung bis 2035 auf mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund reicht es nicht mehr aus, bestehende Zielmarken fortzuschreiben. Deutschland muss ein neues, glaubwürdiges Finanzierungsziel definieren und politisch verbindlich verankern.

Ein neues deutsches Klimafinanzierungsziel

Ein solches Ziel ist zentral für Vertrauen und Verlässlichkeit in einer Zeit, in der viele Länder des Globalen Südens auf externe Unterstützung angewiesen sind, um Klimaschutz, Anpassung und strukturellen Wandel umzusetzen. Ein glaubwürdiger Ansatz muss sich an den realen globalen Bedarfen orientieren. Vor diesem Hintergrund erscheint eine schrittweise Erhöhung auf etwa zwölf Milliarden Euro jährlich bis zum Ende des Jahrzehnts als angemessene Zielgröße. Dafür müssen die Mittel jährlich um mindestens eine Milliarde Euro ansteigen.

Dabei ist nicht nur die Höhe entscheidend, sondern auch die Qualität, der Zugang und die Transparenz. Ein wachsender Anteil sollte für Klimaanpassung und besonders vulnerable Staaten vorgesehen werden. Klimafinanzierung muss zusätzlich zu Entwicklungsfinanzierung und humanitärer Hilfe bereitgestellt werden.

Warum das auch im deutschen Interesse liegt

Im deutschen und europäischen Kontext wird Entwicklungs- und Klimafinanzierung zunehmend auch unter dem Gesichtspunkt des „gegenseitigen Nutzens“ diskutiert. Unabhängig von der politischen Einordnung dieser Perspektive ist klar: Starke internationale Klimafinanzierung liegt auch im unmittelbaren Interesse Deutschlands – wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und geopolitisch.

1. Sicherheit und Stabilität

Der Klimawandel wirkt als Risikomultiplikator. Er verschärft Konflikte um Ressourcen wie Wasser und Land und erhöht die Wahrscheinlichkeit politischer Instabilität. Investitionen in Anpassung und Resilienz sind daher auch Krisenprävention. Für Deutschland bedeutet das: globale Stabilität reduziert langfristig sicherheitspolitische Risiken in Europa.

2. Wirtschaftliche Chancen

Klimafinanzierung eröffnet neue Märkte für Technologien, Infrastruktur und Dienstleistungen. Der globale Umbau hin zu klimaneutralen Energiesystemen umfasst Investitionsvolumina in Billionenhöhe. Frühzeitige Partnerschaften sichern wirtschaftliche Chancen und stärken zugleich stabile Lieferketten.

3. Strategische Ressourcen und Energiewende

Viele Länder des Globalen Südens verfügen über zentrale Ressourcen und große Potenziale für erneuerbare Energien. Klimafinanzierung ermöglicht Partnerschaften, die Lieferketten diversifizieren und Abhängigkeiten reduzieren.

4. Geopolitische Handlungsfähigkeit

In einer multipolaren Welt ist Klimafinanzierung ein Instrument geopolitischer Verlässlichkeit. Staaten, die investieren, sichern Einfluss und gestalten Standards mit. Ein substantielles neues deutsches Klimafinanzierungsziel wäre ein Signal dauerhafter Partnerschaftsfähigkeit.

Fokus auf die Verwundbarsten

Die stärksten Klimarisiken treten dort auf, wo die finanziellen Mittel am geringsten sind. Fragile Staaten und besonders vulnerable Regionen sind überdurchschnittlich betroffen, erhalten aber bislang oft zu wenig Unterstützung – insbesondere im Bereich der Anpassung, die im Zentrum einer Mittelerhöhung stehen sollte.

Zugleich braucht es mehr Investitionen in klimaresiliente Infrastruktur und Ernährungssicherheit, um grundlegende Versorgung und Stabilität unter verschärften Klimabedingungen zu sichern. Ergänzend sollte Klimafinanzierung nachhaltige Entwicklung und widerstandsfähige Wirtschaftsstrukturen stärken, um Lieferketten zu sichern und langfristige Stabilität von Wirtschaftssystemen zu fördern.

Der Bundeshaushalt 2027 – Chance verpasst? Kurve kriegen!

Damit ein neues Ziel glaubwürdig wird, muss es sich in konkreten Haushaltsentscheidungen widerspiegeln. Laut Eckwertebeschluss sieht der Bundeshaushalt 2027 eine weitere Senkung des BMZ-Etats um rund 600 Millionen Euro vor. Damit können bestehende Zusagen kaum abgesichert, geschweige denn neue gemacht werden.

Die Bundesregierung sollte diese Fehlentscheidung schnellstmöglich im Haushaltsentwurf 2027 rückgängig machen und entsprechende Verpflichtungsermächtigungen für die kommenden Jahre treffen. Es müssen mehr Mittel für die bilaterale Klimafinanzierung, für die multilateralen Klimafonds und für die internationale Klimaschutzinitiative (IKI) zur Verfügung gestellt werden.

Neue Finanzierungsquellen prüfen

Ein neues Klimafinanzierungsziel ist auch eine Frage der Instrumente. Neben Haushaltsmitteln sollten zusätzliche Finanzierungsquellen stärker in Betracht gezogen werden, die international zunehmend diskutiert werden, etwa:

Fazit

Die entscheidende Frage ist nicht, ob sich Deutschland internationale Klimafinanzierung aktuell leisten kann, sondern was die Folgen sind, wenn sie ausbleibt.

Ohne ausreichende Unterstützung drohen nicht nur steigende menschliche und wirtschaftliche Schäden, sondern auch eine Verschärfung bestehender globaler Instabilitäten und Ungleichheiten, Konflikte um Ressourcen, wirtschaftliche Risiken und für Deutschland auch ein Verlust geopolitischer Handlungsfähigkeit – in einer Zeit geopolitischer Umstrukturierungen. Mit einem klar definierten neuen Klimafinanzierungsziel hingegen kann Deutschland Menschenleben retten, Stabilität fördern, Märkte mitgestalten, Partnerschaften stärken, und die eigene Zukunft absichern.

Internationale Klimafinanzierung ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Sicherheits-, Wirtschafts- und Außenpolitik.

Deshalb gilt: Deutschland sollte jetzt ein neues, ambitioniertes und verbindliches Ziel für seine internationale Klimafinanzierung beschließen – im eigenen Interesse und im Sinne seiner globalen Verantwortung.

Anja Gebel, Germanwatch

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