Deutsche Bank / Green Climate Fund

Deutsche Bank Serie: Top Finanzierer des Klimawandels

Banken und ihre Kohlefinanzierung Quelle: ‚The Coal Test

Seit Juli 2015 ist die Deutsche Bank als Durchführungsorganisation des Grünen Klimafonds (GCF) akkreditiert. NGO’s kritisierten die Aufnahme als falsches Signal, da die Deutsche Bank weltweit zu den größten Geldgebern der Kohleindustrie gehört und damit Klimafinanzierung untergräbt. In einer Blogreihe gemeinsam mit der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald gibt die Website www.deutscheklimafinanzierung.de in regelmäßigen Abständen einen Einblick in die aktuelle Kohle- und fossile Finanzierung der Deutschen Bank.

Und auch ein Jahr später bestätigt sich: Die Akkreditierung beim GCF tut dem Image der Bank gut, hat aber kein erkennbares Umdenken in der Geschäftspolitik der Deutschen Bank zur Folge.

Im Gegenteil: Während sich international viele in der Finanzbranche langsam von der Kohleindustrie abkehren, scheint die Deutsche Bank bis zuletzt an ihren Kohlekunden festhalten zu wollen. Dabei hätte es mit der Klimakonferenz in Paris Anlass genug gegeben, weitreichende Schritte für den Klimaschutz anzukündigen, gerade für eine Bank, die im Auftrag des GCF handelt. Nicht nur, um die eigene Geschäftspolitik anzupassen, sondern auch, um ein klares Signal in der Finanzwelt zu senden. Andere haben dies getan und haben im Vorfeld zu Paris oder im Anschluss eine Reduktion oder maßgebliche Einschränkung ihrer Finanzierung der Kohleindustrie verkündet. Große Investoren wie der norwegische Pensionsfonds, die Versicherer Allianz und AXA sowie  private Banken wie etwa die französische Natixis und Credit Agricole oder die amerikanische Wells Fargo erneuerten ihre Finanzierungsrichtlinien für den Kohlebereich und werden in Zukunft Kohlefinanzierungen teilweise einschränken oder ganz zurückfahren. Kaum eine europäische oder amerikanische Großbank äußerte sich in den vergangenen Monaten nicht kritisch zum Thema Kohle. Ausnahme bleibt die Deutsche Bank, die im Februar diesen Jahres im ihrem Bericht ‚Unternehmerische Verantwortung’ lapidar schrieb, dass Kohle weiterhin benötigt würde.

Im internationalen Bankenvergleich gehört die Deutsche Bank mit ihrer Kohlegeschäftspolitik zu den Nachzüglern, Quelle: Report ‚The Coal Test

Dass die Deutsche Bank kein Problem mit der Kohleindustrie hat, spiegelt sich auch in ihren Finanzierungen wieder. Ein besonders dramatisches Beispiel ist der US-amerikanische Kohlekonzern Blackhawk Mining. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und ist durch die Aufkäufe von Kohleminen bankrotter Bergbaufirmen schnell gewachsen. Im Jahr 2015 ist Blackhawk mit dieser Strategie zum größten Produzenten von Kohle aus dem besonders umstrittenen Mountaintop Removal Verfahren – einer besonders zerstörerischen Methode – aufgestiegen. Bei diesen Abbauverfahren wird die Kohle durch Wegsprengen der Bergkuppen gewonnen. Die Deutsche Bank spielte bei diesem Aufstieg eine wichtige Rolle: Sie organisierte führend acht Kredite an das Unternehmen zwischen 2012 und 2015 und verhalf dem Unternehmen damit zu über 1,3 Mrd. Euro. Immerhin bewegt sich die Deutsche Bank in diesem besonders zerstörerischen Kohlebereich: sie hat im Februar diesen Jahres eine neue Richtlinie zu Mountaintop Removal erlassen, die die Finanzierung von Firmen wie Blackhawk in Zukunft nicht mehr zulassen. Ein guter erster Schritt. Allerdings ist der vorher finanzierte Schaden damit nicht rückgängig zu machen.

Die unveränderte Geschäftspolitik belegen auch neueste Zahlen: Der im Juni 2016 veröffentlichten NGO-Bericht ‚Shorting the climate’ untersucht die Finanzierung fossiler Energieträger durch Großbanken. Die Deutsche Bank schneidet abermals negativ ab. Im Bereich Kohlebergbau belegt sie mit Finanzierungen in Höhe von 6,73 Milliarden US-Dollar zwischen 2013 und 2015 den negativen Spitzenplatz. Bei Kohle-Kraftwerken liegt sie mit 6,19 Milliarden US-Dollar weltweit auf Platz zehn. Bei der Finanzierungen extremer Formen der Ölförderung (Ölsände, arktisches Öl und Tiefsee-Öl) liegt sie auf Platz neun (14,55 Milliarden US-Dollar) und bei extremen Formen der Gasförderung (Ausbau nordamerikanischer Flüssiggasterminals) auf Platz sieben mit 15,69 Mrd. US-Dollar.

Zu den Kunden der Deutschen Bank im Bereich Kohlekraft gehört auch der indische Energieversorger NTPC (National Thermal Power Corporation). NTPC betreibt in Indien 18 Kohlekraftwerke und hat große Expansionspläne. NTPC gehört zu den 10 Unternehmen mit den meisten Neubauplänen für Kohlekraftwerke weltweit, unter anderem das Kohlekraftwerk Rampal in Banlgadesh. Dieses bedroht die naheliegenden Sundarbans-Mangrovenwälder, ein UNESCO Welterbe. Eine direkte Finanzierung des Kohlekraftwerks schloss die Deutsche Bank auf ihrer Hauptversammlung zwar aus, aber dennoch gehört sie zu den Banken, die das Unternehmen regelmäßig mit frischem Geld versorgen. Wer ein Unternehmen wie NTPC finanziert, ignoriert Paris komplett.

Fazit: Insgesamt gehört die Deutsche Bank zu den größten 10 Finanzierern der fossilen Industrie. Sie schränkt ihre Kohlefinanzierungen nicht ein und zählt auch Unternehmen zu ihren guten Kunden, die eine aggressive Kohle-Expansionsstrategie verfolgen. Das Verhalten der Deutschen Bank ignoriert damit das Klimaabkommen von Paris und lässt kein Umdenken erkennen. Somit schadet die Deutsche Bank dem Image des Green Climate Fonds, während sie sich für diesen Greenwashing-Clou gratulieren kann.

Kathrin Petz / urgewald