Private Klimafinanzierung

Potenziale und Grenzen privater Klimafinanzierung: Ein Überblick über aktuelle Debatten

Der Beitrag der mobilisierten privaten Klimafinanzierung muss besser definiert werden. Photo: shutterstock

Auf der bevorstehenden Klimakonferenz COP31 in der Türkei steht die Mobilisierung privater Klimafinanzierung ganz oben auf der Agenda der internationalen Verhandlungen. Während Regierungen den Anteil privater Klimafinanzierung erhöhen und Akteure des Privatsektors zunehmend an neuen Klimafonds und Initiativen zur Förderung der Umsetzung von Klima- und Biodiversitätsschutz beteiligt sind, weisen zivilgesellschaftliche Akteure auf die Grenzen privater Finanzierung insbesondere bei der Anpassung an den Klimawandel hin und fordern eine Aufstockung der öffentlichen Klimafinanzierung. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um die Rolle privater Finanzmittel in der aktuellen Klimafinanzierungslandschaft sowie deren Potenziale und Grenzen zu beleuchten.

Wichtige Instrumente zur Mobilisierung privater Finanzmittel

Im Gegensatz zu Darlehen aus Industrieländern, die aus öffentlichen Haushalten stammen und direkt an Partner in Entwicklungsländern vergeben werden, bezeichnet die Mobilisierung privater Finanzmittel den Einsatz öffentlicher Mittel, um private Investitionen zur Finanzierung klimabezogener Aktivitäten zu unterstützen. Öffentliche Mittel werden eingesetzt, um Risiken zu mindern oder Anreize zu schaffen, welche Hindernisse für private Investitionen abbauen. Die Mobilisierung kann auf zwei Ebenen erfolgen:

  • bei einzelner Investitionen, d. h. durch Direktinvestitionen in Unternehmen, Konsortialkredite (d. h. Kredite, die öffentliche und private Mittel kombinieren) oder Garantien (Einsatz öffentlicher Mittel zur Absicherung möglicher Verluste, wodurch Projekte für institutionelle Investoren attraktiv werden).
  • als kollektive Anlageinstrumente (CIV) wie gemeinsame Garantieprogramme, Blended-Finance-Fazilitäten, welche öffentliches und privates Kapital kombinieren, oder grüne Anleihen (Bonds). Diese Ansätze zielen darauf ab, eine größere Reichweite und Effizienz zu erzielen.

Es ist zudem wichtig zu verstehen, dass die Mobilisierung privater Finanzmittel verschiedene Instrumente nutzt, die unterschiedlichen Logiken und Zielen folgen. Diese lassen sich grob in vier Gruppen einteilen:

  • Zuschüsse und technische Unterstützung zielen darauf ab, Aktivitäten zu unterstützen, die den programmatischen Ansatz stärken, das Risiko- und Renditeprofil verbessern und andere eingesetzte Instrumente ergänzen. Beispiele hierfür sind Projektvorbereitungsfazilitäten, Marktforschung oder Schulungen, die im Rahmen eines Direktinvestitions- oder Garantieprogramms finanziert werden.
  • Ergebnisbasiertefinanzierung, Anleihen (Impact Bonds) und wirkungsgebundene Finanzierungen, welche die Wirkung mit finanziellen Erträgen verknüpfen (ergebnisorientierte Finanzierung). Die meisten dieser Instrumente verfügen in Regel über ein begrenztes Volumen und erfordern ein nachweisbares Ergebnis, um Zahlungen auszulösen. Ein Beispiel im Bereich der Klimafinanzierung sind REDD+-Programme und Schuldentauschprogramme (Debt-for-Climate-Swaps).
  • Eigenkapital und Fremdkapital sind etablierte Instrumente, bei denen öffentliche Investoren privaten Investoren Kapital für klimabezogene Investitionen zur Verfügung stellen. Eigenkapitalbeteiligungen versorgen Unternehmen mit dem Kapital, das sie benötigen, um zusätzliches Kapital anzuziehen, und unterstützen sie so oft in der Gründungsphase. Beide Instrumente werden häufig eingesetzt, um die Marktentwicklung zu fördern und privates Kapital für klimabezogene Investitionen zu mobilisieren. In beiden Fällen erwarten öffentliche Investoren eine Rendite auf ihre Investitionen, wobei Eigenkapitalbeteiligungen in der Regel ein höheres Risiko bei der Deckung eventueller Verluste eingehen.
  • Erstverlustkapital (first loss capital) und Garantien dienen der Risikominderung bei Investitionen, bei denen öffentliche Investoren die ersten Verluste einer Investition übernehmen. Im Gegensatz zu Eigenkapital und Fremdkapital zielt dies in der Regel nicht auf den Kapitalerhalt oder eine finanzielle Rendite der Investition ab. Vielmehr sollen damit Investoren gewonnen werden, die sich andernfalls nicht engagieren würden, d. h. institutionelle Investoren wie Pensionsfonds.

Private Finanzmittel werden zunehmend eingesetzt, um Klimafinanzierungszusagen zu erfüllen

Die jüngsten Zahlen aus dem OECD-Bericht von 2026 über die Bereitstellung von Klimafinanzierungen durch Industrieländer zeigen, dass im Jahr 2023 22,9 von 132,8 Milliarden US-Dollar (16,7 %) der gemeldeten Beträge aus mobilisierter privater Finanzierung stammten und ihr Anteil im Jahr 2024 auf 30,6 von 136,7 Milliarden US-Dollar (22,4 %) anstieg. Der jüngste OECD-Bericht über die Mobilisierung privater Finanzmittel durch öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) zeigt, dass die Mobilisierungsvolumina zwischen 2021 und 2024 stetig stiegen und im Jahr 2024 77 Milliarden US-Dollar erreichten. Multilaterale Entwicklungsbanken (MDBs) stellen den Großteil der mobilisierten privaten Finanzmittel bereit (insgesamt 71 %), während auch bilaterale Geber eine wichtige Rolle spielen. 40 % aller mobilisierten Mittel entfallen auf klimabezogenen Mahmen, wobei 70 % der klimabezogenen Mittel für die Emissionsminderung, 22 % für bereichsübergreifende Projekte (d. h. Emissionsminderung und Anpassung) und nur 8 % für Anpassungsprojekte vorgesehen waren. Die am häufigsten genutzten Instrumente sind DICs, die 27 % der privaten Klimafinanzierung mobilisieren, Konsortialkredite (23 %) und Garantien (19 %).

Die mobilisierten privaten Klimafinanzierungen haben somit in den letzten Jahren einen Aufwärtstrend verzeichnet, doch ihr Gesamtvolumen und ihr Beitrag zu den Klimafinanzierungszusagen sind nach wie vor bescheiden. Dennoch betrachten Geberländer (darunter auch Deutschland) die Mobilisierung privater Klimafinananzierung als wichtigen Eckpfeiler für die Erfüllung ihrer internationalen Zusagen und für die Aufstockung der Finanzmittel für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sowie für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Potenzial und Grenzen für private klimabezogene Investitionen

Das größte Potenzial für private klimabezogene Investitionen besteht dort, wo die Aussicht auf eine wirtschaftlich lohnende Investition mit einer klaren Gewinnerwartung besteht. Blended-finance Vehikel müssen zudem die unterschiedlichen Prioritäten öffentlicher und privater Investoren berücksichtigen und miteinander in Einklang bringen: den Fokus der öffentlichen Investoren, die das Investitionsrisiko mindern, auf entwicklungsbezogene Ziele und das Interesse der privaten Investoren, die einen großen Teil des Kapitals einbringen, an wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Dies beeinflusst die Möglichkeiten und Grenzen in den Aktivitäten, die für die Mobilisierung von Privatkapital geeignet sind.

Private Investitionen spielen bei der Klimaschutzmaßnahmen die größte Rolle, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Verkehr. Die privaten Klimainvestitionen im Jahr 2023 zeigen, dass 96 % der Investitionen in den Klimaschutz fließen und 75 % dem Energiesektor zugewiesen werden, gefolgt von Gebäuden und Infrastruktur (11 %) sowie dem Verkehrssektor (8 %). Diese Investitionen bieten bewährte Geschäftsmodelle mit vorhersehbaren Cashflows und den Zugang zu Risikominderung durch öffentliche Kofinanzierung. Ein neueres Investitionsfeld ist die Dekarbonisierung der Industrie, die bislang noch keinen großen Anteil an privaten Investitionen erhalten hat (1 % im Jahr 2023), in der jedoch kürzlich hochrangige öffentliche Initiativen wie der „Climate Club“ ins Leben gerufen wurden, um günstigere Rahmenbedingungen für private Investitionen zu schaffen.

Im Gegensatz dazu gibt es deutliche Einschränkungen bei der Mobilisierung von privatem Kapital für die Anpassung an den Klimawandel. Schätzungen zufolge belaufen sich der Bedarf an Anpassungsfinanzierung in den Entwicklungsländern bis 2035 auf etwa 320 bis 400 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die große Lücke zu den derzeitigen privaten Investitionen unterstreicht die begrenzte Rolle, die private Finanzmittel bei der Anpassung spielen. Die OECD selbst hebt einige der zugrunde liegenden Gründe für die begrenzte private Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen hervor. Anpassungsmaßnahmen erfordern oft lokale und diversifizierte Lösungen, die keine kommerzielle Rendite abwerfen. Sie generieren meist einen öffentlichen Nutzen, der sich zudem erst über einen langen Zeitraum entfalten kann. All diese Faktoren schränken das Potenzial für private Investitionen in Anpassung ein.

Das größte Potenzial für private Investitionen in Anpassungsmaßnahmen besteht dort, wo auf lokaler Ebene neue Güter und Dienstleistungen entstehen oder wo durch Anpassungsmaßnahmen Einnahmen generiert oder Kosten gesenkt werden können. Dies gilt vor allem für den Landwirtschaftssektor, wo Innovationen wie die Forschung zu dürreresistenten Pflanzen, Wassermanagement, Frühwarnsysteme oder Investitionen in landwirtschaftliche Techniken und Maschinen sowie in die Nachernteverarbeitung und -lagerung für den Privatsektor von großer Bedeutung sind. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, ihre Wertschöpfungsketten klimaresilienter zu gestalten. Die Möglichkeiten, Investitionen durch öffentlich-private Mischfinanzierung zu finanzieren, bergen aber auch das Risiko, dass öffentliche Mittel Aktivitäten finanzieren, die der Privatsektor auch ohne öffentliche Unterstützung durchführen würde. Zudem kommen die Investitionen häufig nicht bei Kleinbauern an, die weltweit einen großen Anteil der armen und gefährdeten Bevölkerungsgruppen ausmachen. Es ist zudem wichtig zu berücksichtigen, dass der Umfang des öffentlichen Nutzens und der direkten Erträge für Landwirte und private Investoren je nach Art der Investition variiert.

Das Potenzial zur Mobilisierung von Privatkapital für Anpassungsmaßnahmen im Infrastrukturbereich hängt davon ab, wie Investitionen in Entwicklungsländern üblicherweise finanziert werden – z. B. durch öffentliche Mittel oder nach dem Nutzerprinzip – und ob für private Investoren eine Rendite oder ein Gewinn aus dem Schutz der Infrastruktur vor Klimarisiken zu erwarten ist. Es gibt erste Beispiele, z. B. im städtischen Kontext, wo Anreize für klimaresiliente Infrastruktur mit niedrigeren Versicherungsprämien verbunden sind. Investitionen in die Wasserinfrastruktur bieten verschiedene Ansatzpunkte für die Beteiligung des Privatsektors, wie z. B. Investitionen in die Wasserversorgung, Abwasserbehandlung oder Landrenaturierung durch öffentlich-private Partnerschaften (PPP), Anleihen oder Mikrokredite. In der Praxis gibt es jedoch Herausforderungen im Zusammenhang mit langen Amortisationsszeiten, Tarifen, die oft unter den tatsächlichen Kosten liegen, und dem Fehlen einer Pipeline investierbarer Projekte, was die Investitionen des Privatsektors bisher eingeschränkt hat.

Naturbasierte Lösungen (NbS) haben das Potential für wirtschaftlicher Erträge und werden als zunehmend als Möglichkeit zur Mobilisierung von privatem Kapital gesehen. Dazu gehören ergebnissebasierte Programme wie REDD+ oder die Emission grüner Anleihen sowie Blended-Finanz-Vehikel wie die „Tropical Forest Forever Facility“ (TFFF). Es bestehen jedoch auch erhebliche Bedenken hinsichtlich des Potenzials dieser Initiativen, substanzielle Ergebnisse für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu erzielen, sowie hinsichtlich der Risiken, die sie für die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften darstellen, die von diesen Ressourcen leben.

Die unterschiedlichen Prioritäten öffentlicher und privater Investoren beeinflussen zudem das Risikoniveau, das mit klimabezogenen Investitionen verbunden ist. Es zeigt sich ein klarer Trend, dass sich die Mobilisierung von Privatkapital weiterhin auf Märkte konzentriert, die als weniger risikoreich gelten. Laut OECD sind Länder mit oberem mittlerem Einkommen die Hauptnutznießer der mobilisierten privaten Klimafinanzierung (46 % im Zeitraum 2021–2024), gefolgt von Ländern mit unterem mittlerem Einkommen mit 32 %. Bei der Anpassungsfinanzierung belaufen sich die Schätzungen zum Potenzial des Privatsektors zur Deckung des Anpassungsfinanzierungsbedarfs auf 15 % des Bedarfs der Entwicklungsländer und für die am wenigsten entwickelten Länder (LDC) auf lediglich 5 %. Das bedeutet, dass die Anpassungsfinanzierung oft nicht auf die am stärksten gefährdeten Länder ausgerichtet ist.

Die Rolle privater Finanzmittel in der Klimafinanzierungslandschaft gezielter nutzen

Private Finanzmittel spielen eine wichtige Rolle beim Übergang zu sauberer Energie, doch sie spielen eine begrenzte Rolle bei der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen und noch weniger im Bereich „Verluste und Schäden“ (Loss & Damage). Hier sind zuschussbasierte Finanzmittel, die von Geberländern und multilateralen Klimafonds bereitgestellt werden, nach wie vor von entscheidender Bedeutung, insbesondere für hochgefährdete Länder, die von einer Kombination aus Klimafolgen, Armut und Konflikten betroffen sind. Darüber hinaus ist die verstärkte Mobilisierung privater Finanzmittel nicht ohne Kosten verbunden. Sie erfordert öffentliche Mittel, die dann nicht mehr für die Bereitstellung von Zuschüssen verwendet werden können, die zur Erfüllung der Klimafinanzierungsverpflichtungen im Rahmen des NCGQ und insbesondere für das Ziel der Verdopplung der Anpassungsfinanzierung benötigt werden. Außerdem bedarf es ein klares Verständnis dafür, an welcher Stelle öffentliche Mittel sinnvoll eingesetzt werden können, um dringend benötigte private Investitionen in ambitionierten Klimaschutz zu unterstützen, die ohne die Bereitschaft öffentlicher Geldgeber, Risiken zu übernehmen, nicht zustande kämen – und wo die Gefahr besteht, Investitionen zu fördern, die auch ohne öffentliche Unterstützung getätigt worden wären.

In Zeiten schrumpfender öffentlicher Haushalte für die Klimafinanzierung zur Erfüllung multilateraler Verpflichtungen ist es daher unerlässlich, dies im Blick zu behalten und sorgfältig auszuwählen, wofür öffentliche Mittel ausgegeben werden und welche Ziele damit verfolgt werden sollen. Mobilisierte private Finanzmittel können eine Rolle für ambitionierten Klimaschutz spielen, sind jedoch kein Allheilmittel zur Bewältigung aller Herausforderungen, die die Klimakrise mit sich bringt. Es bleibt unerlässlich, die öffentliche Finanzierung für Anpassung fortzusetzen und die am stärksten gefährdeten und risikoreichsten Länder zu erreichen.

Christine Lottje