Deutsche Bank / Green Climate Fund

Deutsche Bank immer noch ein wichtiger Finanzierer für fossile Energien

Banking_on_climate_change_2018

Der Bericht „Banking on Climate Change 2018“ analysiert die Finanzierung von fossile Energien.

Seit Juli 2015 ist die Deutsche Bank als Durchführungsorganisation des Grünen Klimafonds akkreditiert. NGO’s kritisierten die Aufnahme als falsches Signal, da die Deutsche Bank massiv die fossile Industrie finanziert. In einer Blogreihe gemeinsam mit der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald wird in regelmäßigen Abständen ein Einblick über die aktuelle Kohle- und fossile Finanzierung der Deutschen Bank gegeben.

Im März 2018 veröffentlichten die Umweltorganisationen Banktrack, Honor the Earth, Indigenous Environmental Network, Oil Change International, Rainforest ActionNetwork und Sierra Club zum neunten Mal den Bericht „Banking on Climate Change“. Darin verfolgen die Organisationen seit Jahren Policy-Entwicklungen zu und Finanzierungen von fossilen Energiequellen. Ursprünglich vor allem im Bereich Kohle, zunehmend jedoch ausgeweitet auf sogenannte extreme Fossile: Ölsande, arktisches Öl, Tiefsee-Öl und Flüssiggas-Exporte. Untersucht wurden in jedem Sektor die 30 wichtigsten Unternehmen sowie zusätzlich sechs Ölsand-Pipeline Firmen.

Der Bericht analysiert Finanzierungen für diese Firmen durch 36 Privatbanken aus Australien, Kanada, China, Europa, Japan und den USA von 2015 bis 2017. Die gute Nachricht ist, dass die Finanzierung von 2015 auf 2016 von 126 Milliarden US$ auf 104 Milliarden US$ herunterging. Die schlechte, dass sie 2017 schon wieder auf 115 Milliarden US$ anstieg.

Zu weiteren Gesamttrends konstatiert „Banking on Climate Change 2018“, dass

  • es positive Entwicklungen bei Policies gibt, die die Finanzierung von fossilen Projekten und teils Unternehmen einschränken, vor allem bei europäischen Banken;
  • Kohlekraft und Kohlebergbau am stärksten von chinesischen Banken finanziert werden, wobei auch westliche Banken im letzten Jahr wieder mehr in diesem Bereich finanziert haben; und
  • sich kanadische Banken vor allem im Bereich Teersand-Finanzierung negativ hervortaten, wobei auch US-amerikanische Banken diesen Bereich massiv finanzierten.

Ölsand(firmen) im Portfolio der Deutschen Bank

Vor allem die sehr starke Steigerung bei der Kreditvergabe und Anleiheausgabe für Firmen im Bereich  Ölsandabbau und –pipelinebau sind für den negativen Trend verantwortlich, dass Banken 2017 wieder mehr Geld für extreme Fossile vergaben. In diesem Sektor stiegen die Summen um über 100 Prozent. Der Grund dafür ist, dass kanadische Ölsandfirmen die Teersand-Reserven von Großkonzernen wie Shell, ConocoPhillips und Statoil aufkauften. Zudem verhalfen internationale Banken dem Unternehmen Kinder Morgan zu drei Milliarden US$ für den Bau der Trans Mountain Pipeline, die Öl von Alberta nach British Columbia transportieren soll.

Die Deutsche Bank befindet sich auf Platz 12 der größten Ölsand-Finanzierer. Mit einem Volumen von 1,45 Milliarden US$ liegt sie deutlich hinter der Royal Bank of Canada, die mit 21,7 Mrd. US$ den Platz 1 einnimmt. Unter den europäischen Banken steht sie jedoch hinter HSBC und Barclays an dritter Stelle. Mit 406 Mio. US$ im Jahr 2017 liegt die Deutsche Bank  unter der Summe, die sie 2016 im Sektor vergab (679 Mio. US$), aber immer noch höher als 2015, als sie Ölsandfirmen mit 366 Mio. US$ unterstützte. Die breiten Proteste um die Dakota Access Pipeline im Jahr 2016 haben die massiven Probleme des Sektors gezeigt: Der Abbau von Ölsanden zerstört großräumig Landschaft und verschmutzt Wasser und die geplanten Pipelines durchqueren oder berühren in Kanada und USA indigenes Land, wo sie gegen den ausgesprochenen Willen der betroffenen Bevölkerung realisiert werden sollen. Im Oktober 2017 hat mit der französischen Bank BNP Paribas eine Bank auf die Kritik und Proteste reagiert und verbietet seitdem Projektfinanzierung im Ölsand-Bereich. Darüber hinaus schließt sie Finanzierungen für Unternehmen aus, die mehr als 30 Prozent ihrer Geschäfte im Teersandbereich machen und hat erklärt, dass sie keine direkte Finanzierung für die umstrittenen geplanten Pipelines Keystone XL, Trans Mountain oder Line 3 vergeben wird. Bereits vorher hat die holländische Bank ING Projektfinanzierung für Ölsandproduktion und -transport ausgeschlossen ebenso wie konkrete Projekte, etwa Keystone XL. Das sind positive Beispiele, die die Deutsche Bank inspirieren sollten. Bisher adressiert sie Ölsande in ihren Umweltrichtlinien nicht speziell.

Deutsche Bank finanziert immer noch Kohlebergbaufirmen

Im Januar 2017 machte die Deutsche Bank Schlagzeilen mit der Überarbeitung ihrer Richtlinie für die Kohlefinanzierung. Danach wird sie keine Neubauten von Kohlekraftwerken und neue Projekte zur Förderung von Kraftwerkskohle mehr finanzieren. Der Schritt war sehr willkommen, Umweltorganisationen kritisierten jedoch, dass Kohle-Unternehmen nicht ebenfalls ausgeschlossen werden, da diese ihre Projekte auch über allgemeine Unternehmenskredite oder –anleihen finanzieren. Die Deutsche Bank sagt bisher nur, dass sie „ihr derzeitiges Engagement im Bereich Kraftwerkskohle schrittweise verringern“ will.

Ein Blick in die Zahlen des „Banking on Climate Change 2018“ Berichts bestätigt nun die Bedenken der Kritiker. Für die Jahre 2015-2017 steht die Deutsche Bank immer noch an sechster Stelle mit insgesamt 2,58 Milliarden US$, die dem Kohlebergbau zugute kamen. Zwar ist der größte Teil dieser Summe aus dem Jahr 2015 (1,868 Mrd US$), aber nach nur 35 Millionen US$ 2016 stieg die Summe im Jahr 2017 wieder auf 678 Mio. US$ an, was im Jahr zwei nach dem Klimavertrag von Paris und für eine Durchführungsorganisation des Green Climate Fund (GCF) inakzeptabel ist. Die Deutsche Bank hat also noch einen weiten Weg vor sich, bis sie einen Beitrag zu dem transformativen Wandel leistet, für den der Green Climate Fund steht.

Gastbeitrag: Regine Richter/urgewald